Nicht weiter, Sachsen
- aj
- vor 6 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Spätherbst in Kärnten. Bunte Blätter überall – einige noch an den Bäumen, die meisten jedoch bereits am Boden liegend. Wir hielten in einem stillen Örtchen am Ufer des Millstätter Sees auf einem Parkplatz mit öffentlicher Toilette an. Ich musste den Tee vom Frühstück „wegbringen“ und stieg gerade wieder ins Auto, als mein Partner und ich Zeugen eines durchaus amüsanten Schauspiels wurden:
Ein vollbesetzter Reisebus mit sächsischem Kennzeichen parkte neben uns vor der Toilettenanlage, um die Insassen, allesamt ältere Semester, aussteigen zu lassen. Ein besonders selbstsicher wirkender Herr, der sein Arbeitsleben augenscheinlich schon lange hinter sich lassen konnte, schritt voran, schnurstracks auf das metallene Drehkreuz zu. Letzteres ließ sich aber nicht von ihm bewegen. Schnell erkannte der gute Mann den Grund: Man musste zuerst 50 Cent in einen Schlitz einwerfen. Der Weitgereiste zückte also seine Geldbörse und warf den auf dem Automaten angeschriebenen zu bezahlenden Betrag in eben selbigen ein. Inzwischen kam eine weibliche Mitreisende, wahrscheinlich seine Frau, ebenfalls zu dem Drehkreuz und schaute sich fragend um. Der Mann zeigte ihr daraufhin, was sie tun müsse, um zur Toilette zu gelangen: Er drehte am Drehkreuz. - Wir konnten zwar den Dialog nicht vollständig hören, aber seine Handbewegung war recht eindeutig. Man könnte sie mit „Da, schau her, so geht das!“ übersetzen. Als nun die verdutzte Dame das soeben Erlernte in die Tat umsetzen und sich durchs Drehkreuz schlängeln wollte, drehte sich dieses selbstverständlich nicht – oder besser gesagt, nicht noch einmal, da der „Checker“ es ja zuvor zu Anschauungszwecken bereits leer durchgedreht hatte. Jetzt guckten alle beide ganz verdutzt drein. Das Schauspiel wiederholte sich noch zweimal.
Inzwischen wurde die Schlage hinter den beiden immer länger und länger. Wild gestikulierend erklärte der Mann den Wartenden, dass dieses dumme Drehkreuz einfach nicht einwandfrei funktioniere. Zum Beweis warf er nochmals 50 Cent ein – und wieder drehte er die Vorrichtung zunächst einmal leer durch, um den Mitreisenden anschließend vorführen zu können, dass dieses verdammte Ding wirklich niemanden einlässt…
Vor lauter Lachen hätte ich beinahe selber nochmal durchs Drehkreuz gemusst. Aber psst… Nicht weiter Sachsen!