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Hier kommt Gurt

  • aj
  • 17. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Eines Tages kam ein Kollege - nennen wir ihn G. - mit dem aktuellen Posteingang zur Türe rein. Das war an sich nichts Besonderes. - Er kam also herein, legte die Post auf meinen Schreibtisch, fragte mich dann aber leise, ob ich ihm mal bei einem sehr persönlichen "Problem" behilflich sein könnte. Gespannt lauschte ich seiner weiteren Erklärung:


Er hatte sich von einem anderen Kollegen einen Klettergurt ausgeliehen, weil er auch gerne mal einen schwierigeren Klettersteig begehen wollte. "Aber nun..." – G. redete ab hier noch leiser – "...zwickt das Ding dermaßen in den Familienjuwelen, dass es gar nicht auszuhalten ist." Aus seinem Gesicht sprach das blanke Entsetzen – und gleichzeitig der Unglaube, dass das irgendwelche anatomischen Gründe haben könnte. "Andere Männer klettern doch auch, hängen stundenlang in senkrechten Wänden in ihrem Gurt herum…" - Und ihm sollte all dies verwehrt bleiben? Das konnte sich doch nur um einen Einstellungsfehler handeln – also des Gurtes, versteht sich. Oder um die falsche Größe… des Gurtes... versteht sich!


Ich machte ihm einen Vorschlag: „Bring doch den Gurt in den nächsten Tagen mal mit und zieh ihn bei mir im Büro an. Ich zeige dir dann, wie du ihn für dich richtig einstellst.“


Gesagt – getan: Ein paar Tage später bereits kam G. mitsamt Gurt in der Hand wieder in mein Büro. Die Klärung dieser kniffligen – oder besser "kneifenden" - Angelegenheit schien ihm wirklich am Herzen... bzw. etwas unterhalb zu liegen. Da ich gerade noch einen Fall mit meiner Zimmerkollegin zu Ende besprechen wollte, sagte ich ihm kurz, er solle bitte den Gurt derweil schon mal anziehen, und ich würde mir das dann gleich mal näher anschauen. Brav tat er, wie ihm geheißen.


Als ich mich wenige Minuten später zu ihm umdrehte, traute ich meinen Augen kaum und brach unwillkürlich in schallendes Gelächter aus. Das tat mir zwar im nächsten Moment fast schon ein bisschen Leid, aber bei dem Anblick konnte ich einfach nicht anders: Mit dem Gurt um die Hüften und zwischen den Beinen stand er stocksteif da und wollte mir gerade zeigen, wo es genau „hakt“. Über meinen unverhohlenen Heiterkeitsausbruch war er nun jedoch völlig perplex.


Was war passiert? G. hatte sich vom Kollegen einen Brustgurt ausgeliehen, den man für sich allein genommen - das heißt ohne Kombination mit einem Sitzgurt - schon seit vielen Jahren nicht mehr verwendet, weil ein Sturz in diesen lebensgefährlich sein konnte. Dies wusste auch G. - und war deshalb folgerichtig davon ausgegangen, dass es sich bei dem Leih-Exemplar ebenfalls um einen Hüftgurt, wie er auch im Sportklettern verwendet wird, handeln musste.


Zumindest stellte sich auf diese Weise schnell heraus, dass es tatsächlich kein Passungsproblem war. Das edle Teil klemmte ihm nicht umsonst s e i n e edlen Teile ein. Dieser Gurt war für „Untenrum“ einfach nicht gedacht! Mit den Beinen in die Armschlaufen zu steigen und dann alles festzuzurren, ist definitiv keine gute Idee! Besonders bei Männern.


Noch am selben Tag brachte er deshalb die etwas aus der Zeit gefallene Leihgabe dankend zurück und besorgte sich lieber selber im Fachhandel einen modernen Sitzgurt, welchen ich ihm dann ein paar Tage später passgenau einstellte. So hatte diese verzwickte Geschichte doch noch ein Happy End.

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