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Zwischen Kristiansand und Kristiansund - Teil 3

aj
4. Sept.
12 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen


Tag 13 – Skigebiete


Vom Skigebiet in Voss geht es heute entlang des Aurland- und Sognefjords weiter. Wir fahren durch den Laerdalstunnelen. Der ist mit 24,51 Kilometern der längste Straßentunnel der Welt. Wieder so ein norwegischer Superlativ, von dem man noch nie zuvor etwas gehört hat. Das ist fast so wie mit irgendwelchen chinesischen „Dörfern“, die mehrere Millionen Einwohner haben, aber deren Namen man bei uns nicht kennt. Und dabei kostet der Laerdalstunnel nicht mal Maut. In Norwegen wird für Brücken, Tunnel und besondere Streckenabschnitte nur solange eine Gebühr erhoben, bis die Baukosten von den Benutzern sozusagen gemeinsam abbezahlt sind. Das führt zu einer sehr hohen Akzeptanz der Maut in der Bevölkerung. Von diesem Beispiel, wie echtes Gemeinwesen funktioniert, könnte sich Deutschland mal eine Scheibe abschneiden, oder? - Ab heute brauche ich die Straßenkarte „Norwegen Mitte“, so weit sind wir inzwischen nach Norden vorgedrungen. Im Fjord liegt gerade ein Kreuzfahrtschiff vor Anker. Die ganze Zeit während der Planung sagte ich mir, dass ich mindestens einmal ein Kreuzfahrtschiff in einem Fjord fotografieren muss. Ganz so, wie man es von Postkarten, Bildbänden oder Reisedokus im Fernsehen kennt. Heute endlich ist es soweit. Juhu!

Wir fahren weiter und erreichen um die Mittagszeit Hemsedal, ein weiteres Skigebiet. Gleich nach der Jahrtausendwende war ich hier mal zwei Wochen zum Skifahren. Als ich die breiten und relativ flachen Pisten sehe, kommen schöne Erinnerungen hoch. Es ist heute sonnig, aber mit 16 Grad nicht sonderlich warm. Dazu weht ein eisiger Wind. Wir registrieren uns trotzdem online für die Via Ferrata ad Rögjin und warten brav am Parkplatz beim Hoteldorf, bis die geführten Gruppen alle losmarschiert sind und ab 14.00 Uhr auch wir starten dürfen. Mit 200 NOK pro Person ist der Steig eher einer der günstigeren – und wir sind total gespannt, was uns erwartet. Es soll zwei Varianten geben – die „Original ruta“ und eine schwierigere Variante. Wir suchen aber wieder erstmal eine halbe Stunde lang den Weg zum Einstieg. Das hat ja Methode: Man möchte, dass die Leute die Klettersteige mit einem Guide gehen. Den gibt es natürlich nicht geschenkt, aber der kennt wenigstens den Weg. Wenn man schon alleine geht, dann wird von einem auch erwartet, dass man den Weg im Gelände alleine findet. Ohne Beschilderung, ohne Markierung, nur mit einer kurzen Wortbeschreibung und vielleicht, mit etwas Glück, einem GPS-Track. In unseren Karten ist in den seltensten Fällen ein Pfad eingezeichnet, obwohl zum Beispiel in den Alpen jeder Wegweiser und jede Sitzbank in der Karte abgebildet ist. Und wenn man dann auch noch am falschen Parkplatz steht, ohne es zu merken...

Nachdem wir in einer Blumenwiese und zwei Vorgärten (Sorry!) vermeintlichen Spuren gefolgt sind, erwischen wir schließlich doch noch den richtigen Zu- und Einstieg. Wir stürzen uns gleich in die schwierigere Variante. Nachdem niemand mehr nach uns eingestiegen ist, gehen wir an den Weichen immer noch schnell die einfachere Variante runter und wieder rauf. Auf diese Weise können wir alle Seilmeter klettern und müssen uns nicht zwischen den beiden Routen entscheiden. Als Zugabe kraxle ich noch zwischen den Zelten des „Skysleeping“ umher und sehe mich ein wenig um. Mir drängt sich buchstäblich die Frage auf, wie und wo man hier aufs Klo geht. Bei diesem über die Klettersteig-Betreiber buchbaren Event schläft man - nach einem gemeinsamen Abendessen am Berg - in einem Portaledge, das in der senkrechten Felswand aufgehängt wurde. Von weitem sehen diese Hängezelte irgendwie aus wie Baumschwämme. Aber mal ganz abgesehen vom Preis für dieses Abenteuer – für mich wäre das nix! Mein nächtlicher Harndrang verhält sich direkt proportional zur Entfernung und Erreichbarkeit der Toilette. Wenn ich mir Bergschuhe und Klettergurt anziehen müsste, um zum Stillen Örtchen zu gelangen, kann ich gleich dort übernachten. Flasche, Tüte, Eimer? Noch schlimmer!...

Der Abstieg beginnt zwischen den beiden Gipfeln des Rögjin und führt auf einem teilweise versicherten Steig runter zum Hoteldorf und von da zurück zum Parkplatz. Im nur wenige Kilometer entfernten Ullsak ergattern wir einen Platz am schnuckligen Mini-Campingplatz

Elvely.


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Tag 14 – Explore so einiges


Von Ullsak geht es heute durch den Jotunheimen Nationalpark. Hier sind die richtig hohen Berge zu bestaunen, wenn man bei Zweitausendern von richtig hoch überhaupt sprechen darf. Aber da die Berge in Norwegen sich teilweise direkt aus den Fjorden erheben, ist der Höhenunterschied zwischen Berg und Tal oftmals sogar größer als in den Alpen.

Nach einem Zwischenstopp bei einer Stabkirche, die man ohne Eintritt besichtigen konnte, steuern wir als nächstes Ziel die Rezeption von „Explore Sjoa“ in der Nähe von – Überraschung! – Sjoa an. Hier sind wir die absolute Minderheit. Auf dem Campingplatz tummelt sich ein internationales Publikum von Raftern, Kajak- und Kanusportlern. Scheint ein richtiger Hotspot zu sein. Wir buchen trotzdem "nur" den Klettersteig für 300 NOK pro Person - und erhalten dafür eine genaue Wegbeschreibung zum Parkplatz. Auch heute sind wir wieder alleine im Steig, der so kurz ist, dass wir pro zehn Meter Drahtseil auf etwa einen Euro Kosten kommen. Außerdem hat es hier offenbar vor Kurzem noch geregnet und bei den aktuellen Temperaturen von unter 20 Grad sind die Felsen alles andere als trocken. Wie gut, dass der Steig nicht besonders schwierig ist. Die optionale Seilbrücke lassen wir ausfallen. Die Seile zum Festhalten sind in Hüfthöhe angebracht und da ist man dann nicht sonderlich stabil unterwegs. - Uns kann man es aber auch nie recht machen: Mal sind die Seile so hoch angebracht, dass wir fast nicht mehr rankommen, und auch die Arme des Klettersteigsets fast zu kurz und deshalb extrem auf Spannung sind, so dass man die Karabiner nicht mehr gescheit weiterschieben kann. Mal sind uns die Halteseile zu niedrig… Nach zweieinhalb Stunden checken wir an der Rezeption wieder aus, indem wir uns persönlich abmelden. Das wird aus Sicherheitsgründen so verlangt. Dass wir deren Seilbrücke richtig doof finden, behalten wir lieber für uns.

Zurück auf der Hauptstraße stehen wir plötzlich im Stau. Schwierig, wenn man keine norwegischen Radiodurchsagen versteht. „Tante Google“ zeigt uns an, dass es flüssig voran geht. Nach geschlagenen zwei Stunden Stillstand kapieren wir endlich auch warum: Fast alle Pkw haben bereits umgedreht, nur die Lkw stehen noch da. Zu wenige Fahrzeuge, als dass Google noch einen Stau erkennen würde. Die Fahrer der Trucks haben sich inzwischen zum Schlafen hingelegt, sie können auf der schmalen Bergstraße ohnehin nicht wenden. Mit unserem Sieben-Meter-Ungetüm ist es mit ein paarmal Rangieren machbar – und die Lücke ist ja inzwischen groß genug. Jetzt können wir die Straßensperre auf einer parallel verlaufenden Straße im Talgrund umfahren. Hätten wir das mal schon früher gemacht! Ob ein Unfall oder ein Felssturz der Grund für die Sperrung war, können wir nicht in Erfahrung bringen. Wir wissen nur, dass wir viel Zeit verloren haben. Diese Zeit fehlt uns jetzt, wo wir nach einem Platz zum Übernachten mitten in den Bergen suchen. Die besten Plätze sind natürlich bereits belegt. Irgendwo bei Grimsedal finden wir zwischen Büschen und Papiertaschentüchern – igitt! - noch eine Option. Mir ist etwas mulmig, weil wir einige Meter tiefer als die Straße, aber keine fünf Meter von dieser entfernt stehen. Ein Unfall genau auf Höhe unseres WoMos hätte auch für uns fatale Folgen. Aber eine Weiterfahrt, wenn der Fahrer übermüdet ist, vielleicht ebenfalls.


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Tag 15 - Vernebelt


Es ist wieder mal alles gut gegangen. Die schlimme Nacht an der lauten, weil vielbefahrenen Straße ist vorbei und wir sind bereit für neue Abenteuer. Wir fahren schnurstracks ins nebelverhangene Andalsnes und registrieren uns am Hafen für die Via Ferrata Romsdalsstigen, die aus mehreren Varianten besteht. Anschließend machen wir einen Stellplatz am nahegelegenen Campground klar, damit wir nicht gleich nochmal so eine abendliche Schlafplatz-Sucherei erleben müssen wie gestern. Auch ich möchte mal wieder ungestört und vor allem entspannt pennen können. - Mein Freund bekommt ja nachts ohnehin nichts mit.

Nachdem wir auf dem Langzeitparkplatz in Hafennähe zu Mittag gegessen und abermals ein Kreuzfahrtschiff fotografiert haben, starten wir unsere Wanderung durch den Ort zu den Einstiegen. Leider machen wir auch heute wieder den schon fast obligatorischen Umweg: Wir laufen versehentlich den Normalweg zu weit rauf und müssen dann eine ziemlich holprige Querung im Wald mit ein paar gesicherten Passagen – es ist eigentlich der Zustieg zu den Kletterfelsen – und etlichen Extra-Höhenmetern im Auf und Ab absolvieren. Aber kurze Zustiege kann ja jeder. Wir möchten schließlich was haben von unserer Nutzungsgebühr, die diesmal mit 300 NOK für so einen langen Steig im direkten Vergleich zu gestern eher günstig anmutet.

Am Einstieg entscheiden wir uns für die Vestveggen, die Westwand, welche vor Ort mit D bewertet ist. Das Ganze ist aber – bis auf eine einzige kurze Stelle – halb so wild und nach einer kurzweiligen Kraxelei und einer gemütlichen viertelstündigen Wanderung im Anschluss kommen wir bei der Bergstation der Romsdalsgondolen an. Hier oben ist es saukalt und der dichte Nebel legt sich auf alles und jeden. So sind wir bald nicht nur von innen nass geschwitzt, sondern auch von außen ziemlich feucht wegen der Nebelsuppe. Ich laufe noch die paar Höhenmeter rauf zum Gipfel des Nesaksla (715 Meter). Meinen Freund parke ich derweil im Freiluftkino. Es läuft – wie passend  - „Frozen II“. Auch ich friere. Wird Zeit, dass wir hier wegkommen. Ich stelle mich mal  blöd und frage den netten Herrn von der Gondelbahn, ob wir das Ticket direkt bei ihm oder am Automaten kaufen müssen. Er gibt mir den Tipp, dass die nächste Bahn um halb acht Uhr fährt und wir uns doch schon mal anstellen sollen. Der kleine E. möchte bitte aus dem "Friluftskino" abgeholt werden! - Ich zerre also meinen Freund weg von Elsa, Anna, Hans und Olaf - und wir ergattern sogar einen der vier Sitzplätze ganz vorne in der Gondel. So gelenkschonend schweben wir dem Hafen von Andalsnes entgegen.

Am Campingplatz ist unser Stromkabel zu kurz – oder die Steckdose zu weit weg, wie man´s nimmt. Mist! Darauf haben wir heute Vormittag beim Auswählen des Platzes nicht geachtet. Uns war wichtiger, dass wir spät abends nach unserer Bergtour nicht noch auf die Ausgleichskeile fahren müssen. Wir leihen uns eine Verlängerungstrommel von der Rezeption. Ich freue mich: Morgen früh endlich wieder mal mit 2000 Watt die Haare trocknen. Und wer weiß? Vielleicht läuft dann ja „Rapunzel – Neu verföhnt“ im Friluftskino von Andalsnes, 700 Meter hoch über dem Isfjord.


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Tag 16 – Grund und Abgrund


Von Andalsnes aus wagen wir uns mit unserem „Bobil“ auf die berühmt-berüchtigte Trollstigen. Die Passstraße hat ihren Ruf weg. Wir empfinden sie aber gar nicht so furchteinflößend. Vielleicht kann einen auch einfach in puncto Gebirgsstraßen nichts mehr erschüttern, wenn man Plöckenpass, Timmelsjoch und Großglockner-Hochalpenstraße schon zigmal gefahren ist. Die Straße selbst wäre auch nicht das Problem, wenn es nicht immer wieder Zeitgenossen geben würde, denen die Fahrerlaubnis anscheinend nach der 100. Fahrstunde aus reinem Mitleid ausgehändigt worden ist. Warum, fragen wir uns, kann man nicht wenigstens mal bei einer Ausweichstelle rechts ran fahren, wenn man schon eine kilometerlange Autoschlange hinter sich herzieht? Aber nein, diese Leute sind vermutlich so mit ihrem Fahrzeug und der Straßenführung beschäftigt, dass sie noch nicht mal mehr Zeit haben, um in den Rückspiegel zu schauen. Oh je!

Irgendwann bleibt aber auch der letzte „Schlangenzüchter“ mal stehen, um Fotos zu machen, und wir können endlich vorbeihuschen. Auf der Passhöhe ist netterweise ein großer Parkplatz, auf dem auch unser Sieben-Meter-Ungetüm noch hinpasst. Wir steigen aus und laufen mit hunderten anderer Menschen auch runter zu den Aussichtsplattformen. Von hier hat man einen schönen Blick auf die Trollstigen, zu pittoresken Wasserfällen und in den gähnenden Abgrund.

Weiter geht’s – heute zum ersten Mal auch mit einer Fährpassage - nach Loen. Der Ort liegt am Innvikfjord, einem Arm des Nordfjords. Hier wollen wir die gleichnamige Via Ferrata begehen. Ich sage es direkt: Der Klettersteig in Loen war überhaupt der Grund – oder besser - der Aufhänger der gesamten Reise. Hätte ich nicht ein Youtube Video über die Via Ferrata Loen bei „Berg auf“ gesehen, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, dass es in Norwegen Klettersteige gibt, noch dazu so eigenartige, so schöne, so lange, so einsame, so spektakuläre und und und…

Zur Registrierung müssen wir in den Ort. Blöd, jetzt wo wir oberhalb der Seilbahn-Talstation nach zigmal Rangieren endlich in einer Parklücke stehen. Aber zum Laufen ist es viel zu weit. Wir beeilen uns, zahlen die für die Länge des Steiges günstigen 250 NOK pro Person Unterhaltungsgebühr und fahren zurück zum Parkplatz. - Manchmal klappt das mit den Bestellungen beim Universum: Unsere Parklücke von vorhin ist noch frei.

Um 16.00 Uhr starten wir. Der Zustieg ist lang und irgendwie macht uns auch heute wieder die Hitze zu schaffen, obwohl es laut Thermometer nur noch 20 Grad hat. Die dunklen Felsplatten strahlen aber eine Wärme ab, dass man sich in einem Backofen wähnt. Am Einstieg treffen wir einen schwedischen Finnen – oder einen finnischen Schweden. Der kräftige junge Mann erzählt uns jedenfalls, dass er Finne sei und jetzt in Schweden lebe – oder war es umgekehrt? Er lässt uns den Vortritt und wir verstehen bald auch warum. Der Steig kann was, die Felsen sind schon etwas abgespeckt von den vielen Begehungen und man muss öfter mal ganz schon fest zupacken und sich hochziehen. Und das, obwohl wir die Varianten so wählen, dass die Schwierigkeit nie über C/D hinaus geht. Mit dem „Ragnarok“, was soviel heißt wie „Urteil der Götter“, könnte man auch eine E/F-Variante wählen. Aber wir möchten die Norwegische Bergrettung nicht bemühen, uns aus der Wand pflücken zu müssen.

Im letzten Drittel kann man über die 120 Meter lange Gjölmunnebrua, eine Hängebrücke, rechts zu zwei weiteren Ausstiegsvarianten des Klettersteigs gelangen. „Gjölmunne“ heißt etwa so viel wie „Schluchtmündung“ - und man läuft hier ja auch 750 Meter über dem Meeresspiegel und 160 Meter über dem Abgrund. Ich mache das schnell einmal hin und zurück, weil wir gerne die Steigvariante links von der Brücke weiterverfolgen möchten. Hier gibt es nämlich – ähnlich wie am Donnerkogel in Gosau (Oberösterreich) eine 40 Meter hohe, etwa 45 Grad steile, freihängende Seilleiter mit 120 Stufen. Am Donnerkogel muss man ewig anstehen, bis jeder seine Insta-Drohnen-schaut-her-ich-bin-allein-auf-der-Brücke-Aufnahmen im Kasten hat. Hier haben wir die Leiter tatsächlich ganz für uns – auch ohne Drohne. So eine Gelegenheit kommt vielleicht nie wieder. Das Besteigen der „Stigull“-Seilleiter ist nicht schwierig und oberhalb geht es nochmals recht anregend durch die Felsen, bevor der Steig nach insgesamt 1.000 Höhenmetern im Wandergelände ausläuft. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel des Hoven. Auf dem steht anstatt eines Gipfelkreuzes auf 1.011 Metern ein überdimensionales Hufeisen. Überglücklich, es geschafft zu haben, stolpern wir in die Bergstation der Gondelbahn. Wir leisten uns ein weiteres Mal einen knieschonenden Schnellabstieg. Der Loen Skylift bringt seine Gäste halbstündlich bis 23.30 Uhr abends ins Tal – und ist ganz nebenbei auch noch die steilste Pendelseilbahn der Welt!

Als wir von der Talstation fast auf Meereshöhe die paar Höhenmeter rauf zu unserem Parkplatz gehen, müssen wir beide herzhaft lachen. Wir haben das beim Losgehen in Richtung Berg gar nicht bemerkt: Unser Wohnmobil schwebt mit dem Hinterteil frei über dem Abgrund – so sieht es zumindest von unten aus. Ein Grund mehr, das Gefährt schnell aus seiner vermeintlich misslichen Lage zu befreien. Irgendwo in den Bergen des Strynefjellet finden wir einen schönen Platz zum Übernachten.


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Tag 17 – Volle Panne


Von unserem wunderbaren Übernachtungsplatz am Strynefjellet wollen wir heute zum Geirangerfjord fahren. Bereits der Weg dorthin ist einfach der pure Wahnsinn! Tiefblaue Seen, in denen sich Berge und Wolken spiegeln, säumen die Straße. Einer schöner als der andere. Um nur ja nichts zu übersehen, fahren wir diesen Streckenabschnitt gleich zweimal und saugen die zauberhafte Landschaft in uns auf. Die Bilder könnte man auch auf den Kopf stellen, es würde kaum auffallen, so klar ist das Spiegelbild. Schaut fast ein bisschen aus wie ein „Rorschachtest“, also diese eher pseudowissenschaftlichen Tintenklecksbilder…

Die Straße hinunter in den Fjord birgt dann einen weiteren norwegischen Superlativ: Man hat von hier den tiefsten Blick von einer Straße in einen Fjord.

Unten angekommen fahren wir direkt zum Parkplatz des Klettersteig- und Zipline-Parks von Explore Geiranger. An der Rezeption kann es der junge Mitarbeiter kaum fassen, dass wir „nur“ den Klettersteig gehen möchten und hierfür weder Guide noch Leihausrüstung benötigen. Weil wir so pflegeleicht sind, bekommen wir die Begehung geschenkt. Hatten wir so auch noch nicht. Ein herzliches Dankeschön dafür!

Der Klettersteig führt recht interessant an einer senkrechten Felswand entlang und über mehrere Seilbrücken. Man überquert einen tosenden Wasserfall, bevor die Via Ferrata in einem flachen Wäldchen ausläuft – und wir gemütlich zum Ausgangspunkt zurück schlendern. Jetzt noch schnell bis ganz runter in den Fjord fahren, zum Hafen, um auch wirklich sagen zu können, dass wir im berühmten Geirangerfjord waren.

Als mein Freund den Motor startet, leuchtet die Getriebekontroll-Lampe auf. Er versucht es noch einmal. Immer noch erscheint das rote Zahnrad mit dem Ausrufezeichen in der Mitte. Wir sind ratlos. Was sollen wir denn jetzt machen? Als erstes rufen wir bei der Vermieterfirma unserer fahrbaren Behausung an. Vielleicht haben die ja eine erste Einschätzung, ob wir mit der Warnleuchte weiterfahren können oder nicht. Wie bereits bei der defekten Trittstufe gewinnen wir auch diesmal nicht unbedingt den Eindruck, dass wir es mit Profis zu tun haben. Man empfiehlt uns, bei der Pannenhotline des Fahrzeugherstellers anzurufen. Super Idee – am Freitagnachmittag! Nach zehnminütiger Hotline-Warteschlangen-Einschlaf-Musik und etlichen Rückfragen heißt es, dass gleich jemand von den „Gelben Engeln“ Norwegens vorbei kommt und sich das Ganze mal vor Ort ansieht. Es kommt…genau... natürlich niemand! Wir warten Stunde um Stunde, aber weit und breit kein gelber oder sonst wie gefärbter Engel in Sicht. Zu allem buchstäblichen Überfluss macht unser Chemie-Klo bald genau das…, der Grauwasserbehälter auch - und im Frischwassertank sind nur noch etwa fünf bis zehn Liter. War so ja nicht geplant, dass wir hier festsitzen. Wenn das Häuschen nicht mehr fährt, wird es auch schnell als Wohnraum unbrauchbar, spätestens wenn alles überquillt. - Ich checke schon mal die Hotelpreise hier. Für schlappe 600 EURO pro Nacht könnte man sich über ein bekanntes Buchungsportal ein Zimmer im besten, weil einzigen Hotel des Ortes reservieren. Aber was zur Hölle sollen wir hier? Ein weiteres Mal laufen wir zum Parkscheinautomaten und werfen nach. Umgerechnet zehn EURO für zwei Stunden.

Endlich ruft uns jemand aus Sagined zurück. Keine Ahnung, wer gerade planloser agiert – die oder wir. Jedenfalls erhalten wir die Freigabe, bis zum Campingplatz unten am Hafen fahren zu dürfen. Juhu! Wenigstens kommen wir schon mal von diesem Parkplatz weg. Neben den hohen Kosten ist der nämlich ziemlich vermüllt - und inzwischen stehen wir hier vollkommen alleine. In der ganzen Aufregung fährt mein Freund beim Ausparken noch schnell rückwärts gegen einen Felsen. Aber das ist uns jetzt auch schon wurscht!

Wir rollen also vorsichtig die zwei Kilometer bis runter ans Meer. Schon von weitem sehe ich das Schild „fullt“, also voll. Aber wo sollen wir denn heute Abend sonst hin? Ich gehe in die „Resepsjon“ und erkläre denen unsere Notlage. Wir sind in Norwegen: Der Chef des Platzes persönlich fährt seinen amerikanischen Stromer zur Seite und fragt sogar für uns noch alle Betroffenen, ob es okay wäre, dass wir uns für eine Nacht direkt vor ihre Nase in die Durchfahrt stellen. Unter anderem kommt auf diese Weise ein sehr nettes Gespräch mit einer jungen vierköpfigen Familie aus der Schweiz zustande, die am nächsten Morgen nach Hause fahren will. Ja, FAHREN würden wir auch gerne. - Wir versuchen, erstmal ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Hoffentlich ist der Urlaub jetzt nicht vorbei...


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Fortsetzung folgt...

Wenn du wissen willst, wie es weitergeht, ob wir unsere Reise fortsetzen konnten und wie wir nach Hause gekommen sind, schau ab Mitte Oktober wieder rein.



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